Es war einmal...

Gerade passend zu Karneval sind mit auf der Straße wieder einige Prinzessinnen über den Weg gelaufen. Passend zum heutigen Thema. 

Ja meine Lieben, wenn man ein kleines, süßes Mädchen ist, schaut man viele viele schöne Märchenfilme an. Wieder und wieder, eigentlich in einer Endlosschleife so bis ca. zum 12. Lebensjahr. 

Bedeutet, als anstrebende Frau, hast du völlig falsche Werte was Liebe und den ganzen anderen daraus resultierenden Kram angeht, vermittelt bekommen. 

Also für Alle, die sich in dieser Materie nicht so auskennen, HALLO IHR MÄNNLICHEN LESER ;),
hier eine kurze Zusammenfassung ALLER dieser Filme oder Bücher. 

Meist armes, unglückliches, schon fast versklavtes Mädchen, trifft „wie im Märchen“ (hahahaha) ganz zufällig auf einen toll aussehenden Prinzen entweder per Zufall, oder sie wird von ihm gerettet oder sonst was. Ja dann verlieben sie sich ineinander, heiraten nach 3 Tagen und nach ner weiteren Woche kriegen sie 5 Kinder. Dat Mädel ist jetzt Prinzessin, Königin whatever und sie leben glücklich und zufrienden bis an ihr Lebensende. So!

Das ist in den Köpfen aller Mädchen! So denken wir mit 12, wird unser Leben verlaufen. Ein Kerl, der dich irgendwie rettet, man verliebt sich, man heiratet, man kriegt Kinder und die Welt ist schön...

PAAAHHH!!! Das ich nicht lache!

Jetzt mal ganz unter uns Banausen, ich mag diese „romantische“ Ansicht wirklich sehr. Zu sehr würde ich daran glauben, dass das irgendwo auf der Welt auch außerhalb der Flimmerkiste SO passiert. 

Ich für mich hab laaaaaaaange an diesem „Weltbild Liebe“ festgehalten. Zu lange! 

Ich bin da halt ein bisschen anders als die anderen, denke ich zumindest. Warum fragt ihr euch? Ich will es euch mal kurz anhand eines Beispiels erklären...

Klein Jana, vielleicht 12/13 Jahre alt, war in dieser besonderen Situation, die jedem jungen Mädchen mal bevorsteht. Der erste Junge interessiert sich für einen, man triffst sich heimlich draußen, und irgendwann kommt die allen bekannte Frage „Willst du mit mir gehen?“ (woooow, wie klischeehaft, aber ernsthaft so passiert, am Telefon, soweit ich mich erinnern kann). Jedes andere Mädchen, so denke ich jedenfalls, hätte einfach spontan geantwortet, so wie es einem eben gerade gefühlsmäßig in den Kram gepasst hat. Klein Jana aber nimmt sich tatsächlich einige Minuten Zeit, um eine Entscheidung zu treffen... Warum? Tja, in meinem Kopf passierte folgendes: Ich begann über die „Folgen“ dieser Entscheidung nachzudenken, darüber dass ich mich ein Leben lang an diesen Moment, an diesen Jungen, zurück erinnern würde. Das ich meinen Enkeln davon erzählen würde.... Er wäre halt für immer und ewig „der Erste“. Ich entschied mich damals für „Ja“. Und es ist wie ich es eben damals gedacht habe, für immer werde ich das in meinem Hinterstübchen da oben behalten. Ich werde mich immer an diesen Jungen erinnern. Klar, das war alles nur Kinderscheisse und nicht ernst, aber sowas behält man eben. 

So, ihr merkt jetzt, wie das schwammige Ding in meinem Kopf in etwa funktioniert. So bin ich halt immer noch, jede „weitreichende Entscheidung“ wird von mir vorher mehr oder weniger gründlich überdacht. Klar, ich treffe auch mal vorschnelle Entscheidungen, davon kann ich mich nicht freisprechen, aber meistens denke ich schon länger darüber nach. Aber zurück zum Thema. 

Dank dieser schönen, ich nenne sie jetzt mal, Disney-Denkweise, habe ich meinen ersten Kuss lange lange hinausgezögert. Sollte ja schließlich der Richtige sein und wir würden mal heira... Ihr wisst was ich meine. Schließlich verschenkte ich meinen ersten Kuss zu meinem 16. Geburtstag (aber eher unfreiwillig, eigentlich wurde er mir gestohlen... eingeschlossen auf einer Toilette einer Hausparty, naja andere Geschichte). Mit diesem Jungen, oder jetzt Mann (keine Ahnung, ob ihm inzwischen Eier gewachsen sind) war ich dann auch knappe 4 Jahre zusammen. Ja, er hat mir viele Dinge näher gebracht, Danke dafür! Aber im Grunde war es mindestens 2 Jahre von den 4 vergeudete Zeit. Und das nur weil ich dachte, dass muss eben halten. Weil ich wirklich an diesem Weltbild festhalten wollte. Aber ich hab dann auch begriffen, es klappt eben nicht. Zwar 2 Jahre zu spät, aber besser als nie. Das hat mich leider um einige Jahre meiner Jugend gebracht, die mir gefehlt haben. Ich habe dadurch nie diese typischen Zeiten gehabt, die man so als Teenie hat. Feiern, knutschen, Mädelsurlaube... nix... Tja, dumm gelaufen und selbst Schuld könnte man sagen. Ja, vielleicht, aber damals hab ich meine Freundinnen, die das alles so erlebt und ausgelebt haben, da etwas für verurteilt. Eben wegen dieses festgesetzt Diney-Bildes in meinem Kopf. Bescheuert, oder?

Naja, die Zeit, die ich vegeudet habe, die kann mir keiner wiedergeben und die kann ich auch jetzt nicht mehr nachholen. Der Zug ist eben abgefahren! Umso wichtiger ist es aber jetzt, dass ich nach dieser Beziehung gecheckt habe, dieses Weltbild ist totaler Müll. Wirklich! Nehm Abstand davon! Habe ich getan. Keiner sagt, dass man sich jetzt durch tausend Betten wühlen muss, aber der Erste wird eben nicht der Letzte sein. 

Vor 50 Jahren war das vielleicht noch so. Aber die Gesellschaft hat sich verändert. Die Liebe hat sich verändert. 

Ich bin trotzdem nicht eine, die vorschnell aufgibt (siehe mein letzter Post). Ich bin eine von der Sorte „Ich versuche kaputte Dinge zu reparieren, bevor ich sie wegschmeiße“. Aber man sollte sich nicht zu lange mit dem reparieren quälen, wenn’s kaputt ist. Dann besser wegschmeißen. 

Aber um das Thema Märchen zum Schlusswort nochmal aufzugreifen, man muss eben mehrere Frösche küssen, um seinen Prinzen zu finden...!

Und JA! Ich liebe sie trotzdem alle noch, diese wunderschönen, klischeehaften Disney-Märchen...



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